Das metabolische Syndrom

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Schweinehund!

Was ist eigentlich das metabolische Syndrom?

Direkt übersetzt bedeutet metabolisches Syndrom „Stoffwechselstörungssymptome“. Es umfasst eine Gruppe schädlicher Faktoren, die über Jahre zum Gesundheitsrisiko werden: Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas), gestörter Kohlenhydratstoffwechsel (Diabetes), schlechte Fett- und Cholesterinwerte sowie Bluthochdruck.

Das metabolische Syndrom entwickelt sich aus einem dauerhaft ungesunden Lebensstil, vor allem aus schlechter Ernährung in Kombination mit akutem Bewegungsmangel. Deshalb lässt es sich auch als Wohlstands- oder Zivilisationskrankheit beschreiben. Neben dem Rauchen gilt es als Auslöser Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für Herzinfarkt und Schlaganfall. Im Englischen heißt es deshalb auch „deadly quartet“.

Die Betroffenen empfinden ihren passiven Lebensstil häufig als völlig normal und gesund. Meist führen die Risikofaktoren auch erst in fortgeschrittenem Alter zu Problemen - und werden dann oft nur medikamentös behandelt, anstatt die Ursachen anzupacken.

Nicht jedes Übergewicht gilt gleich als ungesund.

Bauchumfang

„Bauchfett ist tendenziell schädlicher als Speck auf den Beinen oder am Po. Deshalb zählt der Bauchumfang als ein Gesundheits-Indikator.“

Warum gute Vorsätze so oft für die Katz sind. Und wie man sein Gehirn trotzdem überlistet.

Wer aktiv ist, lebt gesünder. Schon eine Stunde flottes Spazierengehen am Tag erhöht die Lebenserwartung um sieben Jahre. Weniger essen, mehr trainieren, just do it! Können Sie es auch nicht mehr hören? Als ob das alles so einfach wäre!
Sind Sie nach der Arbeit auch nur noch hungrig und nur noch platt, und nach dem Abendessen können Sie sich zu nichts mehr aufraffen? Ist doch total menschlich, oder? Und ist es nicht gemein, dass ausgerechnet die ungesündesten Leckereien geradezu süchtig machen?

Warum ist der innere Schweinehund so stark? Warum verbringen wir Stunden regungslos vor dem Fernseher, obwohl wir genau wissen, dass Stress, innere Unruhe und Anspannung nicht auf dem Sofa verschwinden? Warum ist es so schwer, sich mehr zu bewegen? Kurz gesagt: Weil die Evolution noch keine Zeit hatte, sich auf eine Epoche mit Kalorienüberfluss und Bewegungsmangel einzustellen. Dieser Abschnitt der Menschheitsgeschichte dauert noch keine 100 Jahre. Davor war es schlicht unmöglich, dauernde Anstrengung zu vermeiden. Noch im 19. Jahrhundert legte der Mensch im Schnitt täglich 15 bis 20 Kilometer zu Fuß zurück. Weil er musste. Heute ist weniger als ein Kilometer pro Tag übrig.

Schluss mit den Ausreden

Starke Vorbilder

„Soll ich oder soll ich nicht?“

Zwei, die diese Frage für sich beantwortet haben, sind Stefanie und Andreas. Mit klaren Zielsetzungen haben sie ihr Gewicht reduziert und ihre Gesundheit verbessert. Das hat sie glücklicher gemacht und ihr Risiko für ein metabolisches Syndrom deutlich vermindert.

Um Prävention geht es auch bei unserer Kampagne zu dieser Wohlstandskrankheit. Zu wenig Bewegung und ungesundes Essen? Überprüfen Sie einmal kritisch Ihren Lebensstil. Wir sind für Sie da, um gemeinsam die richtigen Weichen zu stellen.

Stefanie Beer
Die 30-Jährige arbeitet als Disponentin in einem Tierfutterbetrieb in Bayern. Anfang 2015 hörte sie mit dem Rauchen auf – an sich schon eine tolle Leistung. Doch dann nahm sie zu: zwölf Kilo innerhalb eines Jahres.

Andreas Schulze
Der 35-Jährige arbeitet als Personalreferent beim Roten Kreuz in Niedersachsen. Nach einer schweren Knieverletzung nahm er innerhalb ku?rzester Zeit 70 Kilogramm zu – auf fast das Doppelte seines urspru?nglichen Gewichts.

Jetzt macht sich bemerkbar, wie rasch der Mensch Fett ansetzt – viel schneller übrigens als seine nächsten Verwandten, die Menschenaffen. Deren Körperfettanteil bleibt selbst in Gefangenschaft bei relativer Bewegungsarmut niedrig. Hinzu kommt eine offensichtliche Vorliebe für Zucker und Fettes, und gemeinerweise steckt uns auch die Trägheit in den Genen: Sie ist nichts anderes als eine Energiesparmaßnahme. Gehirn und Körper versuchen, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen und „schalten ab“, wann immer sie können.

Aber warum ist das so? Es liegt am großen Gehirn des Menschen! Das einzigartige Denkorgan verbraucht enorm viel Energie, je nach Aktivität zwischen einem Viertel und der Hälfte des gesamten täglichen Kalorienumsatzes – deutlich mehr als jedes andere Säugetier. Bei Primaten sind es acht bis zehn Prozent, bei anderen Säugetieren sogar nur drei bis fünf Prozent des täglichen Kalorienumsatzes. Ohne besondere Maßnahmen der Evolution wäre ein solcher Energiefresser schlicht nicht überlebensfähig gewesen: So ist Körperfett der einzige Energiespeicher, der das hungrige Menschengehirn konstant mit der erforderlichen Kalorienmenge versorgen konnte, auch über länger anhaltende Versorgungslücken von mehreren Tagen hinweg.

Wer 10.000 Schritte am Tag geht*, kann Dutzende von Leiden vermeiden und muss nicht mal zusätzlich Sport treiben.

* Empfehlung der Bewegungsstudie KV Nordhrein, 2016

Wer sich einmal an Bewegungsmangel gewöhnt hat, empfindet ihn so lange als normal, bis er behandelt werden muss wie ein Kranker. Dabei wäre es viel wirksamer, andere Lebensgewohnheiten einzuüben. Das große Geheimnis liegt in den Gewohnheiten – in guten wie in schlechten.

Weil uns das alles in den Genen steckt, finden wir Bewegungsarmut völlig normal. Das bisschen Übergewicht bringt uns ja auch nicht gleich um. Eben. Der Weg zum metabolischen Syndrom ist ein schleichender Prozess. Er zieht sich über viele Jahre, meist reichen die Wurzeln bis in die Kindheit. Kinder haben noch einen natürlichen Bewegungsdrang, und wenn man sie lässt, bewegen sie sich ganz von selbst gern. Doch dann greift eine Erziehung, die Bewegungsmangel geradezu fördert: - „Sitz still“, „zappel nicht so rum“, die von den Eltern oft vorgelebt wird. Nach der Schule ist es vielen Eltern lieber, wenn die Kinder „aufgeräumt“ sind, statt draußen rumzutoben.

Im mittleren Alter (zwischen 18 und etwa 50 Jahren) haben sich viele Menschen dann schon so sehr an ihren passiven Lebensstil gewöhnt, dass sie ihn völlig normal finden. Sie gehen Anstrengungen unbewusst aus dem Weg und empfinden sie bereits als unangenehm oder sogar schmerzhaft. Unmerklich verlieren sie Protein aus den Muskeln und Kalzium aus den Knochen. Statt Muskeln wächst der Speck. Je schwächer der Körper wird, desto mühsamer die Gegenwehr gegen den inneren Schweinehund.

In Deutschland zeigt sich das metabolische Syndrom inzwischen bei jedem vierten Erwachsenen - obwohl diese Risikofaktoren vermeidbar sind. Brinja Striezel, Ernährungsberaterin der Audi BKK, erklärt, worauf Sie achten sollten, um gesund zu bleiben.

Nicht mal ein Viertel der in Deutschland krankenversicherten Männer bringt es noch auf zwei Stunden Sport in der Woche, bei den Frauen sogar nur ein Fünftel. (DKV-Report 2016 „Wie gesund lebt Deutschland?“). Ein wesentlicher Faktor ist das viele Sitzen: An einem Werktag verbringen wir im Schnitt sieben Stunden in sitzender Position, in der Schule, am Arbeitsplatz, zu Hause am Computer, vor dem Fernseher. Schreibtischarbeiter bringen es sogar auf elf Stunden am Tag. Nur noch elf Prozent erreichen die von Gesundheits-Experten empfohlenen Bewegungs- und Ernährungswerte.

„Wer zählt schon gern Kalorien? Es verengt den Blick und bringt meistens nichts außer ein schlechtes Gewissen. Das Rechenbeispiel soll nur verdeutlichen, dass man weniger essen mit viel Bewegung kombinieren muss, um tatsächlich abzunehmen.“

Eine 165 cm große Frau hätte mit einer 400g Pizza zum Mittagessen gute zwei Drittel der Kalorien konsumiert (864 kcal), die sie für den Tag benötigt (1.252 kcal). Um abzunehmen, dürfte sie kaum noch etwas zu sich nehmen - oder müsste mindestens eine Stunde Sport treiben.

Deutlich über eine Stunde müsste die Frau in moderatem Lauftempo joggen (6:45 min/km), um den Nährwert ihrer Pizza zu verbrennen. Langsames Laufen ist die effektivste Methode, um Fett zu verbrennen.

Ein 75 kg schwerer Mann hätte mit einer Pizza (400 g) zum Mittagessen etwas weniger als die Hälfte der Kalorien (864 kcal) konsumiert, die er für den Tag benötigt. Um abzunehmen, dürfte er nicht mehr viel zusätzlich essen - oder müsste Sport treiben.

Deutlich über eine Stunde müsste der 75-kg-Mann mit einem Tempo von 6 min/km joggen, um den Nährwert der Pizza zu verbrennen. Eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining verbrennt Fett am effektivsten.

 

Die Macht der Gewohnheiten.

Die Lebensgewohnheiten haben mit Abstand den größten Einfluss auf Ihre Gesundheit. Das klingt wenig überraschend, doch offenbar muss eine ganze Wohlstandsgesellschaft erst wieder lernen, viel aktiver mit dieser Erkenntnis umzugehen. Immer neue Studien zeigen: Ernährung und Bewegung haben einen weitaus größeren Einfluss auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, als wir je zu hoffen wagten.

Zu viel Cholesterin gilt bis heute als gefährlich.

Fast fünf Millionen Menschen nehmen in Deutschland Cholesterinsenker, um die Gefahr von Gefäßverstopfungen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen zu minimieren, doch nur bei zwei Millionen gilt der Einsatz als medizinisch schlüssig zu begründen. Cholesterin ist keineswegs nur schädlich, es ist auch unverzichtbar für zahlreiche Reparaturvorgänge im Körper.

Therapieansatz
Jahrelang wurde sklavisch auf möglichst niedrige Cholesterinrichtwerte hintherapiert. Seit etwa zwei Jahren tobt ein Expertenstreit um diese Grenzwerte. Die Tendenz geht zu deutlich weniger Medikamenteneinsatz und einer individuelleren Betrachtung der Lebensgewohnheiten.

Diabetes Typ II

Sieben Millionen Deutsche leiden unter Diabetes mellitus Typ II. Die Folgen des gestörten Zuckerstoffwechsels führen ohne Behandlung langfristig zu Gefäß-, Nerven- und Nierenschäden bis hin zum Herzinfarkt. Gängige Regel ist eine Behandlung mit Insulin – hierzulande wird es doppelt so viel verschrieben wie z.B. in Frankreich.

Therapieansatz
Anders als bislang angenommen, kann offenbar selbst ein diabetesgeschädigter Stoffwechsel wieder lernen, selbst Insulin zu produzieren und aufzunehmen. Die Forschung dazu steht aber noch am Anfang. Am wirksamsten ist aktives Vorbeugen durch Bewegung. Tipp: Bewegung vor und nach dem Essen führt zu einer besonders effektiven Verwertung des Zuckers im Blut.

Übergewicht

Zwanzig Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind stark übergewichtig. Besonders schädlich wirkt Fett in der Bauchhöhle, es führt dann besonders häufig zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Therapieansatz
Eindeutige Diät-Empfehlungen existieren bis heute nicht, nur Meinungen. Am effektivsten wirkt eine moderate Umstellung der Lebens- und Essgewohnheiten, die sich dauerhaft durchhalten lässt. Am besten funktioniert Abnehmen in Kombination mit Bewegung und in kleinen Zielen. Beispiel: auf zuckerhaltige Getränke verzichten und jeden Tag spazieren gehen.

Bluthochdruck

Ca. 25 Mio. Bundesbürger haben Bluthochdruck, das ist fast jeder Dritte! Er ist Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfall. Im Alter zwischen 70 und 79 Jahren sind vier von fünf Menschen betroffen, aber auch Kinder sind bereits gefährdet – bei ihnen steigt der Blutdruck vor allem durch Übergewicht.

Therapieansatz
Die wichtigsten Lebensstilfaktoren, die vor Bluthochdruck schützen, sind: körperliche Aktivitäten, Stress-Entspannungsphasen und Normalgewicht.

Mit den Jahren häufen sich typische Symptome: Rücken- und Knieschmerzen, Schlafprobleme, Übergewicht, Herzschwäche, Bluthochdruck, Gefäßverkalkung, Diabetes Mellitus Typ II. Doch statt den Patienten Bewegung zu verordnen, verschreibt der Arzt Medikamente, zur großen Freude der Pharmaindustrie. Wussten Sie, dass es im Medizinstudium nicht eine einzige Vorlesung zu Sport und Bewegungsmedizin gibt? Stattdessen raten Ärzte ihren Patienten aus Vorsicht lieber zur Ruhe. Und klar: Krankenhausbetten wollen belegt sein, die Behandlung mit Medikamenten und medizinischen Geräten bringt einfach mehr Geld.

So stehen am Ende unserer Bestandsaufnahme drei wesentliche Erkenntnisse: Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Mensch sich nur anstrengt, wenn er muss. Niemand muss deswegen ein schlechtes Gewissen haben. Doch die moderne Zivilisation verführt uns zur Bequemlichkeit. Über Jahrzehnte hat uns die Werbung versprochen, dass alles mühelos zu haben ist. Dafür zahlen wir jetzt einen hohen Preis. Denn Gesundheit ist auch eine Prämie für Selbstüberwindung.
Aber was sind nun die Tricks, um den inneren Schweinehund zu bändigen?

10 Tipps wie der Schweinehund Ihr Freund wird.

Alle zehn Punkte sind wissenschaftlich erforscht und in ihrer Wirksamkeit belegt. Wir danken Prof. Dr. Peter M. Gollwitzer, Universität Konstanz/New York, und Dr. Stefan Fraedrich, Düsseldorf, für die wissenschaftliche Beratung bei der Entwicklung der zehn Punkte.

1. Ein Ziel haben.

Die Absicht, an sich zu arbeiten und etwas Konkretes zu erreichen. Gut: „Ich will mich mehr bewegen, innerhalb eines Jahres werde ich fünf Kilo abnehmen und zehn Kilometer am Stück laufen können.“

2. Sich motivieren.

Die erwarteten Vorteile müssen die in Kauf genommenen Nachteile überwiegen. „Ich muss zwar auf die Bequemlichkeit von Rolltreppen und Aufzügen verzichten, werde dafür aber bald sehr viel fitter und gesünder sein.“

3. Realistisch sein.

„Ich will ja keinen Marathon laufen. 10.000 Schritte am Tag zu gehen, schaffe ich aber.“

4. Planen, welche Handlungen zum Ziel führen.

5. In kleinen Schritten anfangen.

Hier hilft es, sich kleine Zwischenziele auf dem Weg zum großen zu setzen.

6. Sich vor gegenläufigen Impulsen schützen.

SOS-Fragen: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Wenn die Kollegen fragen: „Sollen wir dir eine Pizza mitbringen?“, dann sage ich: „Oh, vielen Dank, ich geh mal für ?ne halbe Stunde an die frische Luft.“

7. An sich glauben.

8. Ein positives Umfeld schaffen.

Motivierende Personen um sich haben – wie einen Online-Coach oder ein Vorbild, die Sie gut finden und akzeptieren.

9. Positive Emotionen suchen.

Was Sie tun, sollte Ihnen so viel Spaß machen, dass Sie es wieder tun wollen.

10. Eigenverantwortlichkeit.

Die Bereitschaft, Verantwortung für sich und seine Gesundheit zu übernehmen: Es muss klick machen!

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